Der Betreuungsverein - Den bedürftigen Menschen im Blick

- 25.03.2024 - 

Das Team des Betreuungsvereins im Diakonischen Werk Freiburg kümmert sich um Menschen, die ihr Leben ohne Betreuung nicht mehr führen können

Die rechtliche Betreuung von Menschen ist ein hochsensibles Thema. Sie greift stark in die Privatsphäre der Betroffenen ein. Martina Fleig und ihr Team des Betreuungsvereins des Diakonieverein beim Diakonischen Werk Freiburg e.V.  kümmern sich um Menschen, die ihr Leben ohne Betreuung nicht mehr führen können. 

Martina Fleig im Gespräch
Martina Fleig fährt ins Pflegeheim. Sie hat den neuen Personalausweis für eine ältere Dame dabei, deren rechtliche Betreuerin sie ist. Einmal im Monat, manchmal auch öfter, besucht sie sie, schaut Rechnungen durch und kümmert sich um alles, was nötig ist. „Ich bin dafür da, so zu entscheiden, wie sie selbst entschieden hätte“, fasst Martina Fleig ihre Tätigkeit zusammen. Seit über 20 Jahren ist sie für den Betreuungsverein des Diakonischen Werks Freiburg tätig.
Der Verein kümmert sich um Menschen, die ihr Leben ohne Begleitung nicht mehr führen können. Eine Krankheit, eine Behinderung oder einfach nur das Alter können dazu führen, dass Menschen nicht mehr alleine zurechtkommen. Einige sind psychisch krank, andere leiden an einer Sucht, wieder anderen erschwert eine Behinderung, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es eigentlich möchten. Um solche Menschen kümmern sich Martina Fleig und ihr Team aus sozialen Fachkräften. Gut 50 Klient*innen betreut der Verein selbst, daneben werden Ehrenamtliche für die Betreuungsarbeit geschult.

Rechtliche Betreuer*innen werden von der örtlichen Betreuungsbehörde angefragt, die wiederum den Auftrag vom Betreuungsgericht bekommt. Sie übernehmen zentrale Aufgaben in der Betreuung von Menschen in Not. Und: Sie tragen viel Verantwortung. Sie kümmern sich um alles Finanzielle, kommunizieren mit Behörden und Ämtern, sorgen dafür, dass die betreute Person ihre Rechte und Pflichten kennt und wahrnimmt, organisieren die Wohnsituation und treffen auch Entscheidungen im gesundheitlichen Bereich – und dies alles immer zum Wohl und im Sinne der betreuten Person. „Ich muss deshalb möglichst viel über die Person wissen“, erzählt Martina Fleig. Deshalb spricht sie ausführlich mit Ärzten und informiert sich im sozialen Umfeld und bei Verwandten. „Aber nur, wenn das familiäre Verhältnis gut war, denn ich muss ja wirklich so entscheiden, wie die betreute Person es gewollt hätte.“ Da brauche es eine große Portion Empathie, um die Bedürfnisse und Gefühle zu verstehen, meint Martina Fleig. 
Im Team des Betreuungsvereins des Diakonischen Werks Freiburg arbeiten in der Regel Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen. Denn das praxisorientierte, breit angelegte Studium der Sozialen Arbeit bereitet gut auf soziale, juristische und psychologische Themen vor. Die Breite der Themen im Arbeitsalltag macht „meine Tätigkeit so abwechslungsreich“, sagt Martina Fleig, „kein Tag ist wie der andere“. Daher sollte man neben fachlichen Kompetenzen auch Organisationstalent mitbringen, denn man muss sich selbst gut organisieren und daneben auch verschiedene Aufgaben parallel koordinieren können. Eine gute Kommunikationsfähigkeit sei ebenfalls unerlässlich, sowohl im Umgang mit der betreuten Person selbst und mit deren Umfeld als auch mit Mitarbeitenden aus Einrichtungen und Institutionen, beispielsweise von Pflegeeinrichtungen oder Versicherungen. 
Der Bedarf an rechtlichen Betreuer*innen sei hoch, schätzt Martina Fleig die Situation in Freiburg ein. Denn sie selbst, aber auch ein Großteil der hier tätigen Betreuer*innen, werde in den kommenden Jahren in Rente gehen. Zudem wachse der Betreuungsbedarf stetig, insbesondere durch psychische Erkrankungen. Sie machen mittlerweile rund 40 Prozent der Betreuungsfälle aus (BZ vom 19.10.2023). Fachlicher Nachwuchs werde daher dringend gesucht; daneben auch ehrenamtlich Betreuende. Denn der Betreuungsverein unterstützt und schult auch Personen, die diese vertrauensvolle Aufgabe ehrenamtlich leisten. Es sei ein „vielseitiges und interessantes Ehrenamt, bei dem man sich die eigene Zeit selbst einteilen kann“, wirbt Martina Fleig, was auch für die beruflichen Betreuer*innen gelte. Sie hätten eine große Freiheit und Flexibilität, ihren Tag so zu gestalten, wie es für sie passt. Einen langweiligen Tag habe sie in ihrem Berufsleben noch nicht erlebt und, obwohl sie schon über zwanzig Jahre dabei sei, erlebe sie immer noch Situationen, die neu sind. Doch das Wichtigste sieht Martina Fleig im Kontakt mit den betreuten Menschen selbst, denen sie in ihrer Situation helfen kann. „Ich bekomme viel zurück“, resümiert sie, „weil die betreuten Personen in der Regel dankbar sind, dass jemand da ist, der sich kümmert“.
Dankbar war auch die alte Dame aus dem Altersheim, als Martina Fleig den neuen Personalausweis vorbeibrachte, und erleichtert, dass sie auch diese Angelegenheit für sie geregelt hat.
 
Text, Foto und Interview: Timo Sorg